Die russische Presseagentur RIA teilt mit, dass Wissenschaftler im Norden Russlands womöglich die Grabstätte von Iwan VI. Antonowitsch entdeckt haben, der von 1740 bis 1741 der nominelle Zar des Russischen Reiches war. Entdeckt habe man die Grabstätte schon 2008, aber erst am gestrigen Montag wurde die Entdeckung offiziell publik gemacht.
Iwan VI. Antonowitsch ist einer der jüngsten Fürsten des Russischen Reiches. 1764 wurde er in der Festung Schlüsselburg ermordet, nachdem ein meuternder Amreeführer ihn aus seiner jahrelangen Gefangenschaft befreien wollte. Wo man seinen Leichnam beigesetzt hatte war über Jahrhunderte unbekannt.
2008 öffneten Archäologen in Cholmogory eine Grabstätte auf dessen Grabstein die Aufschrift "Anton Ulrich van Brunswijk-Wolfenbüttel" stand. Er war der Vater von Iwan VI. Antonowitsch. Als dieser Anton Ulrich van Brunswijk-Wolfenbüttel 1774 starb, war er 60 Jahre alt. Die Wissenschaftler entdeckten aber schnell, dass in der Grabstätte gar keine Überreste eines 60-jährigen Mannes beigesetzt wurden.
Forensische Untersuchungen am Skelett haben nun ergeben, dass die Person in der Grabkammer höchstens 25 jahre alt war, als er starb. Der Zar war 23 als er starb. DNS-Untersuchungen sollen nun die Identität des verstorbenen Zaren bestätigen. Bemerkenswert ist übrigens auch der Fundort der Grabstätte, denn Cholmogory liegt mehr als 1.000 Kilometer von der Festung entfernt, wo der Zar ermordet wurde.
Iwan VI. Antonowitsch war erst zwei Monate und fünf Tage alt, als er Zar des Russischen Reiches wurde. Seine Großtante, Kaiserin Anna Iwanowna ernannte ihn kurz vor ihrem Tod zum Nachfolger. Dies war damals eine ziemlich große Überraschung, denn eigentlich ging man davon aus, dass sie Jelisaweta Petrowna Romanowa, Tochter von Zar Peter des Großen, zur Thronfolgerin benennen würde. Die Kaiserin wurde aber in ihrer Entscheidung beeinflusst durch Ernst Johann Biron, der sich so größeren Machteinfluss am Zarenhof erhoffte. Biron wurde später dann Regent. Lange konnte er sich aber nicht halten. Drei Wochen nach Iwans Amtsantritt wurde er von der Kaiserlichen Garde vom Hof gejagt; man war nämlich gar nicht zufrieden über den Einfluss der Deutschen am russischen Hof.
Ein Jahr später wurde
Iwan VI. (Russland), zusammen mit seinen Eltern und einigen Deutschen Höflingen, inhaftiert und nach Archangelsk (in der Nähe von Cholmogory) verschleppt. Ab 1756 wurde er auf der Festung
Schlüsselburg eingekerkert. Zar war er zu dem Zeitpunkt aber schon lange nicht mehr.
Elisabeth (Russland), die übergangene Thronfolgerin, hatte sich 1741 selbst zur neuen Zarin gekrönt.
Iwan war also nur eine ganz kurze Zeit Zar und lebte fast sein gesamtes Leben in Gefangenschaft. Die letzten Jahre verbrachte er als "unbekannter Gefangener" auf der Festung Schlüsselburg. Als bei der Befreiungsaktion durch den meuternden Offizier Vasily Mirovich, seine Identität auffliegen zu drohte, brachte seine Bewacher ihm um. Die Instruktionen dazu stammten von Jelisaweta Petrowna Romanowa, die diese jahre zuvor aufsetzen ließ.
Quelle:
Graf tsaar Ivan VI mogelijk gevonden