Als sie Werkzeuge hergestellen zerschlugen unsere prähistorischen Vorfahren nicht nur Felsen. Sie konnten auch mit bemerkenswerter Finesse schnitzen. Eine neue Studie legt nahe, daß Höhlenbewohner dazu in der Lage waren, mit Hilfe einer filigranen Druck ausübenden Technik bereits vor 75.000 Jahren, also 55.000 Jahre vor dem von Wissenschaftlern angenommenen Zeitpunkt, Steine bearbeiteten. Es gibt Hinweise, daß diese Technik noch füher zum Eibsatz gekommen ist.Verglichen mit planloser Werzeugbearbeitung mit einem Hammer, ist die Bearbeitung eines Werkstückes durch die Druck-Abblättern-Methode eine viel besser zu kontrollierendes und präziseres Verfahren zur Gestaltung von Stein.
Die Forschergruppe untersuchte unter der Federführung von Vincent Mourre (Universität Toulouse-Le Mirail in Frankreich) 127 dreieckige und blattförmige Artefakte aus Stein (vermutlich für Speere und Messer) die auf dem Boden einer 75.000 Jahre alten südafrikanischen Höhle eingegraben waren.Obwohl Druck-Abblättern an jüngeren Gesteinen identifiziert worden ist, waren die Fundstücke aus Feuerstein hergestellt worden. Diejenigen, die von den Forschern entdeckt waren, bestanden aus Silcrete, einem sehr viel schwieriger zu bearbeitenden Werkstoff.. Um sicher zu sein darüber zu berichten, welches Steinbearbeitungsverfahren damals zum Einsatz gekommen sein muß, entnahmen Mourre und seine Kollegen Proben der gleichen Silcrete aus allen Fundorten innerhalb der Blombos-Höhle.
Mourre selbst stellte im Anschluß daran Repliken der vergrabenen Artefakte mit zwei unterschiedlichen Techniken her: Der frühen Hammerschlagbearbeitung und der filigraneren Druck-Abblättern-Methode nach vorausgegangener grober Hammerbearbeitung. Als Mourre und seine Arbeitsgruppe die Artefakte mit den Kopien verglichen, zeigten fast drei Fünftel der alten Werkzeuge im Vergleich mit Spuren der Druck-Abblättern-Bearbeitung, daß sie über dünnere, geradere Kanten verfügten, die für die Bearbeitung der Steine nach vorheriger Erhitzung charakteristisch sind.
Archäologe Curtis Marean von der Arizona State University in Tempe, die an der Studie nicht beteiligt war, sagt daß die Ergebnisse plausibel sind, aber er ist besorgt darüber, daß die Schlussfolgerungen sich zu sehr auf die allgemeinen Bemerkungen der Forscher über die Werkzeuge beziehen und nicht ausreichend auf auf mathematischen Daten. Obwohl das Team die Länge und Breite der Narben auf den Felsen vermessen hat, waren viele der Schlussfolgerungen viel mehr qualitativ. "Ich bin mir nicht zu 100 Prozent sicher, ob wir das gleiche Ergebnis erhielten, wenn wir jemand anders vor das Material setzen würden", sagt er.
Vor dieser Studie stammten die frühesten Zeugnisse der Druck-Abplatz-Technik aus einer Region in Frankreich und werden auf ein Alter von in etwa 20.000 Jahren datiert, während eines Zeitraums, der als Solutréen bekannt ist. Das Zeitalter wurde von vielen als einer der "Meilensteine" der Steinbearbeitung angesehen, so Britt Bousman, ein Archäologe von der Texas State University in San Marcos, der nicht an der Studie mitarbeitete. Dieses neue Papier, sagt er, könnte das Zeitalter tatsächlich entthronen.
Einige Wissenschaftler glauben, daß die Anfänge der Druck-Abplatz-Technik noch früher zurückliegen könnten. Stanley Ambrose, Anthropologe an der Universität von Illinois, Urbana-Champaign, verweist auf eine Kultur in Zentralafrika, die älter ist, als die in Südafrika: die Aterian Kultur. Obwohl die südafrikanische Gemeinschaft in dieser Studie erschien und für ein paar Jahrtausende verschwand, sagt Ambrose Macher, daß die Hersteller von Werkzeugen der Aterian-Epoche die warmen Regionen Zentralafrikas vor rund 100.000 Jahren abwanderten.
Science
Übersetzung: (c) hostmaster 10/2010





