Ägyptens Pyramiden, Luxor, die Sphinx und das Tal der Könige ziehen Tausende von Touristen in ihren Bann. Petra Schulz beginnt ihre Reise im Moloch Kairo. Tosender Verkehr, Autohupen, Reifenquietschen - aber auch eine der schönsten Städte der Welt. In den Suks, den kleinen Straßen der Handwerker und Händler pulst das Herz der Hauptstadt. In den „wilden“ Städten aber, die sich am Rand der Metropole in die Wüste ziehen, kämpfen die Menschen darum, nach Jahrzehnten vom Staat wahrgenommen zu werden, träumen von für uns so einfachen Dingen wie Strom, Wasserleitungen und Abwasserkanälen. Der Nil, Ägyptens Lebensader, führt die Zuschauer nach Luxor und ins Tal der Könige. Noch heute produzieren hier die Handwerker nach den uralten Techniken aus der Zeit der Pharaonen. Ihre Väter waren früher Grabräuber, haben später bei den Ausgrabungen geholfen. Die Söhne arbeiten jetzt für Touristen. Entlang des Nils fühlt man sich zurückversetzt in biblische Zeiten. Der längste Fluss der Erde zieht sich wie ein grünes, fruchtbares Band durch die glühende Wüste, die 96 Prozent der ägyptischen Landesfläche ausmacht. Nur auf seinen fruchtbaren 4 Prozent des Landes, eine Fläche, so groß wie Baden-Württemberg, leben die Ägypter - fast 70 Millionen Menschen. Der nährstoffreiche Nilschlamm schenkt den Ägyptern zwar fünf Ernten in nur zwei Jahren, aber die Wassermassen richten auch Schlimmes an. Bei Hochwasser steigt der Nil blitzschnell an, sein Wasser reißt Straßen und Häuser weg, vernichtet Ernten, Weideflächen und die Existenz der Familien, die hier leben. Allein im November 1994 wurden nach schweren Unwettern unzählige Dörfer überschwemmt, kamen mehr als 500 Menschen ums Leben und Tausende von Familien wurden obdachlos. Uferschutzprogramme sollen den Fluss bändigen und die Dörfer entlang seiner Ufer schützen. Sie machen den Nil wieder zu dem, was er schon vor Jahrtausenden war, als noch die Barken der Pharaonen auf ihm kreuzten - zum Vater Ägyptens.




