In die Wüste geschickt zu werden, klingt wie eine Drohung. Dabei sind die Wüsten dieser Welt eine Offenbarung: Fern jeglicher Zivilisation findet der Mensch zu sich selbst, erlebt endlose Weiten und die Urkraft der Natur
Rund ein Drittel der festen Erdoberfläche besteht aus Wüsten - aus Sand-, Salz-, Stein- oder Eiswüsten. Es gibt dort kaum Niederschläge, die Vegetation fällt entsprechend spärlich aus. An manchen Orten wird es unerträglich heiß, mit Temperaturen bis zu 55 Grad Celsius, an anderen wieder unerträglich kalt - mit minus 55 Grad Celsius. Also nicht gerade idyllische Landschaften mit grünen Hügeln und plätschernden Bächlein, sondern eine Natur, die das Äußerste vom Menschen verlangt.
Das kann zu Stoßseufzern führen. So klagt Freddy Quinn: "Brennend heißer Wüstensand, so schön, schön war die Zeit, fern, so fern das Heimatland, so schön, schön war die Zeit, kein Gruß, kein Herz, kein Kuss, kein Scherz. Alles liegt so weit, so weit!" Andere wiederum reisen gerade deshalb in die Wüste, weil alles so fern wird - die Hektik moderner Zeiten, die Überfülle und Überfrachtung, die multimediale Flut, die Enge der Großstädte. Archaische Erlebnisse, endlose Weite und große Stille - all das bietet nur die Wüste. "Niemand hinterlässt Spuren in der Wüste, aber die Wüste hinterlässt Spuren in den Seelen der Menschen", sagt ein altes nomadisches Sprichwort.
Reisen in die Wüsten dieser Welt sind die letzten großen Abenteuer - auch wenn sie sich inzwischen zum Teil sehr komfortabel gestalten lassen. Ob man mit Nomaden durch die Sahara zieht oder eine luxuriöse Lodge in der Namib-Wüste bucht, nachts unter dem einzigartigen Sternenhimmel der Atacama-Wüste träumt oder vom flimmernden Licht über der Großen Salzwüste im US-Bundesstaat Utah geblendet wird - nirgendwo sonst erlebt sich der Mensch so intensiv wie in der überwältigenden Natur einer Wüste.
Jede Wüste hat übrigens ihren eigenen Zauber und Charakter: Mal spucken Geysire kochend heißes Wasser, dann türmen sich blau schimmernde Marmorfelsen am Ostrand der Sahara auf. Wer genau hinsieht, entdeckt auch die Vielfalt des Wüstenlebens - den zehn Zentimeter langen Dornenteufel in der australischen Simpsons Wüste zum Beispiel oder den Dornschwanz in der Sahara.
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